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Gewährleistung... bitte was?

Aktualisiert: 8. März 2019


Gewährleistung - was so nebenbei nichts mit der Leistungsfähigkeit von Gewehren zu tun hat - wird gern mit der Garantie verwechselt bzw. als solche bezeichnet. Im Gegensatz zur Garantie besteht jedoch eine gesetzliche Pflicht [1] zur Gewährleistung. Doch was es überhaupt heißt, wenn jemand Gewähr leisten muss, und warum das gut für dich als Konsument ist, das klären wir im Folgenden.


Gewährleistung bedeutet, dass der Verkäufer für Mängel seiner Leistung haftet, und zwar verschuldensunabhängig! Wichtig dabei ist, dass der Mangel bereits zum Übergabe- bzw. Lieferzeitpunkt vorliegen muss. Damit es auch nicht an einer Definition des Mangels mangelt (HA-HA), sei erwähnt, dass ein solcher vorliegt, wenn die Leistung nicht die vereinbarten bzw. gewöhnlich vorausgesetzten Eigenschaften besitzt (etwa, wenn die Lautsprecher deines Smartphones nicht funktionieren).


Solltest du zu den Personen gehören, bei denen der Mangel innerhalb von 6 Monaten ab Lieferung hervorkommt, dann kannst du dich glücklich schätzen (mal abgesehen davon, dass deine Sache mangelhaft ist), denn es wird somit gesetzlich vermutet, dass dieser bereits im Zeitpunkt der Lieferung vorlag. Sollte der Mangel erst nach dieser 6-Monatsfrist auftauchen, so trifft dich die Beweislast. Hat der Mangel keinen Stress und tritt (bei beweglichen Sachen) erst nach 2 Jahren hervor, dann brauchst du dir darüber nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, denn allfällige Gewährleistungsansprüche sind zu diesem Zeitpunkt bereits verjährt - sprich nicht mehr durchsetzbar. Gleiches gilt bei unbeweglichen Sachen nach Ablauf von 3 Jahren (jeweils ab Lieferung wohlgemerkt).


So weit, so unverständlich. Heißt das jetzt, ich bekomme - um beim Beispiel des defekten Lautsprechers zu bleiben - ein neues Smartphone? Die Antwort darauf ist ein klares “Es kommt darauf an”. Grundsätzlich darf der Kunde zwischen Behebung des Mangels, sprich Reparatur, und Austausch wählen. Grundsätzlich deshalb, weil dem Verkäufer die Reparatur bzw. der Umtausch schon auch zumutbar sein muss. Bemerkt der Käufer eines PKWs, dass der Blinker nicht funktioniert, und will deshalb den ganzen PKW umtauschen, dann wird er zu Recht auf Ablehnung stoßen, denn ein solcher Umtausch ist dem Verkäufer nicht zumutbar, es kommt bloß die Reparatur des Blinkers in Betracht.

Umgekehrt verhält es sich z.B. bei fehlerhaften Unregelmäßigkeiten der Nähte einer Handtasche - hier wird dem Verkäufer kaum die aufwendige Reparatur zumutbar sein.


Und was ist, wenn der Mangel unbehebbar, gleichzeitig aber der Austausch dem Verkäufer nicht zumutbar ist? Bei Geringfügigkeit des unbehebbaren Mangels kann Preisminderung verlangt werden. Ist dies nicht der Fall und sollten auch alle vorangegangenen Behelfe fehlschlagen, dann bleibt zu guter Letzt nur noch die Wandlung übrig, was ein schönes (oder schlicht altes) Wort für Rückabwicklung des Vertrages ist. Das heißt, ihr gebt die Sache zurück und bekommt dafür wieder euer Geld.


Wichtig ist noch: Kaufst du als Konsument von einem Unternehmer (was grundsätzlich der Fall sein wird, außer du treibst dich gerade am Nachbars-Flohmarkt rum), dann kann der Unternehmer die Gewährleistung nicht ausschließen! Lediglich bei gebrauchten Waren ist eine Verkürzung der 2-Jahres-Frist auf 1 Jahr möglich - vorausgesetzt dies wurde ausdrücklich mit dir ausgehandelt!


Wie man sieht, kommt es bei Gewährleistungsfragen sehr stark auf den Einzelfall an. Deshalb auch hier wieder der Hinweis, dass es sich bei meinen Beiträgen um grobe Übersichten handelt und der Leser bei weiterem Interesse an die Eigenrecherche verwiesen sei. Bei konkreten Rechtsfragen muss sowieso ein Rechtsanwalt aufgesucht werden.


Vielen Dank an jeden einzelnen Leser!


Markus :)

(03.03.2019)



[1] Für ganz interessierten Leser: die Gewährleistung ist in den §§ 922 ff ABGB zu finden.

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